Critic’s Blues

//Critic’s Blues
Critic’s Blues 2016-10-29T12:05:38+00:00

Jeder hat seinen eigenen Riecher.

Seinen eigenen Geschmack. Seine Vorlieben. Filter. Antennen.
Jeder macht sein Ding. Auf seine Weise. Zumindest sollte es so sein.
Was dann den einen gefällt, stößt anderen sauer auf. Gut so.
„Wo alle einstimmig singen, ist der Text ohne Bedeutung.“ (S.J.Lec)

Bigband Leibniz-Uni Hannover

Die Musik hat mich an der Nase herum geführt.

Mal in den Kaisersaal in Würzburg, mal zur Bamberger Konzerthalle. Ins Stadttheater in Fürth, zum Opernhaus in Hannover, in das Kurtheater Bad Kissingen, in viele Stadt- und Kongresshallen zwischen Hamburg und München, in Kirchen genauso wie in Clubs in Ost und West, auch in Hotels – darunter auch das Berliner „Adlon“ und das Gästehaus der Bundesregierung auf dem Petersberg in Königswinther.
Was Kritker dabei zu meinem Spiel gesagt haben, ist … eben unterschiedlich.

Neue Westfälische Zeitung„: Bürgel ist „weniger ein Filigranmusiker, als ein sehr sicherer, dabei ungeheuer impulsiver, anfeuernder Pianist“.
Das „Coburger Tageblatt“ fand, was es hörte „temperamentvoll, rhythmisch und spieltechnisch äußerst versiert und stilsicher.“ Die „Neue Württemberger Zeitung“ sagte anlässlich der Auftaktveranstaltung der Adelberger Freilichtspiele: „Als sicherer Begleiter erwies sich Andreas Bürgel am Flügel. Mit impulsivem Spiel und mitunter rockigen und beat-artigen Soul-Phrasen trug er mit bei zu einem furiosen Auftakt der Freilichtspiele.“Der „Pfälzische Merkur/Homburger Nachrichten“ meinte, die „brillanten Soli von Andreas Bürgel am Flügel sind … ein Kunsterlebnis.““Saarbrücker Zeitung„: Bürgel improvisiert „am Flügel wie die tanzenden Finger eines Will Glahé“.

Während der Rezensent der „Bergedorfer Zeitung“ mutig meinte, „wohl einen der besten Begleiter der Republik“ gehört zu haben, fand der Kritiker des „Münchner Merkur“ manches eher „mittelmäßig“ (wiewohl zu einer anderen Gelegenheit derselbe Merkur mir ein „bemerkenswertes Können“ attestierte).
In der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung/Leine Zeitung“ stand zu lesen: „Mozart als Jazzversion? …Die hannoverschen Komponisten und Musiker, Pianist Andreas Bürgel und Saxophonist Andreas Burckhardt, setzten über zwei Stunden lang Mozart in Szene. … Reine Notenarbeit war passe. Improvisation stand an diesem Abend auf dem Programm. … Was Bürgel und Burckhardt durch perfekt abgestimmte Teamarbeitund musikalisches Talent hervorzauberten, war beeindruckend. … Es war eine mutige und moderne Mozart-Interpretation und ein Auftritt der Extraklasse“.
Der „Altmühl-Bote“ schreibt über ein Konzert Gail Gilmores in Gunzenhausen: „Von Andreas Bürgel aus Hannover aufmerksam am Flügel begleitet, lässt Gilmore ihre Zuhörer eintauchen in die musikalischen Welten von Gospel, Klassik, Pop und Jazz. … Der mit etlichen Vorschusslorbeeren auf breiter Medienfront angekündigte «Opernweltstar» Gail Gilmore wird der hohen Erwartungshaltung aber auch in allen anderen Bereichen des Programms gerecht…. Zwischendurch lässt Pianist Bürgel auf dem Flügel seiner spontanen Inspiration und Kreativität freien Lauf. Sein mitreißendes Instrumentalsolo «All Jazz» fordert den Applaus des Publikums geradezu heraus. Nach dem grandiosen Finale unter Einbeziehung kollektiven Chorgesangs sind «Standing Ovations» die einzig logische Konsequenz.“

Die Seelzer „Umschau“ spricht von der Aufführung der Adaption der Bach’schen „Toccata und Fuge in d“ von „Jazz der Extraklasse“, und meint damit konkret die Kooperation von Karsten Gohde (Sax), Lars Hansen (bass), Gerd Wennemuth (drums) und Andreas Bürgel (piano): „Das Andreas Bürgel-Quartett interpretierte Bach auf seine Art und zeigte wie vielseitig und modern die Toccata ist“, schließt das Blatt.
Die „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung / Leine Zeitung“ notiert dazu: „Innovativ gab sich das Andreas-Bürgel-Quartett. Improvisatorischund mitreißend verarbeiteten die Jazzer die Melodie der Toccata.“

Wenn man die Heimat verlässt, so heißt es, verliert man immer etwas.

Mir erging es entgegengesetzt – ich fühlte mich meist bereichert.
Umso interessanter die Erfahrung, dass bei einer Reise im Dezember 2010 ins Fränkische mir tatsächlich mal etwas sehr Persönliches abhanden kam.
Und zwar ein „r“. Mitten aus meinem Namen.
Der nun kompakter zwar, aber dennoch ein wenig fremd aussah.
Sowohl die „Saale-Zeitung“ als auch die „Mainpost“ hörten einen „Andreas Bügel“ am Flügel – vielleicht wegen des Reims.
Ich habe nachfolgend das verlorene „r“ stillschwiegend komplettiert:

Zum ausverkauften Konzert mit Gail Gilmore im großen Saal der Bayerischen Musikakademie Hammelburg schrieb die „Saale-Zeitung„: „Der große Saal war brechend voll. Die hohen Erwartungen der Zuhörer nach einem außergewöhnlichen musikalischen Ereignis wurden offensichtlich noch übertroffen. Der aus Hannover stammende Andreas Bürgel begleitete die Sängerin einfühlsam perfekt auf dem Piano. Die musikalische Chemie stimmte zwischen den Beiden. Begeisterung machte sich im Publikum breit. Besonders als die Spirituals und Gospels im zweiten Teil des Konzerts immer mehr Besitz über die Zuhörer nahmen. … Große Beachtung genoss auch der Pianist Bürgel. Der durfte sogar mit einem Solostück brillieren.“
Die „Mainpost“ spricht über das selbe Konzert und vernahm „bestes Einvernehmen“ zwischen dem Weltstar und ihrem Begleiter Andreas Bürgel, nach dessem Solo sie „begeisterten Applaus“ notiert.

Aus der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung/Leine Zeitung“ stammt ein Bericht über das Konzert der FAT BOOGIE HORNS auf dem „Internationalen Musikfestival Seelze“: „Ein Zungenschnalzer“, ist zu lesen. „Was die Fat Boogie Horns am Sonntagabend im Forum des Schulzentrums boten, war ein Hörgenuss sondergleichen. Szenenapplaus und Zugaberufe des verwöhnten Musikfestival-Publikums waren der verdiente Lohn für die funkige Big Band. Tanzbar, kreativ und präzise präsentierte sich das Ensemble um Altsaxofonist Heinz Alberding und den Seelzer Keyboarder Andreas Bürgel, der alle Stücke arrangiert hatte. Schon die erste Hälfte bot knackige Grooves und mitreißende Soli. Bürgels Arrangements, sonst berühmt-berüchtigt für ausufernde Solopassagen, umschifften elegant die Klippen egozentrischer Frickelei.“
Die „Südwest Presse“ schreibt über ein Konzert Gail Gilmores mit dem Ulmer Universitätschor in dessen Heimatstadt: „Gail Gilmore (beherrschte) die Szene, faszinierte mit Pianissimo und expressiven Forte-Höhen in Orffs Todesarie der ‚Antigone‘. Nachdem der Chor mit Ohrwürmern aus ‚My Fair Lady‘ zur leichten Muse übergeleitet hatte, drückte die Vollblutmusikerin mit ihrem erstklassigen Jazzpianisten Andreas Bürgel Gershwins ‚Summertime‘, Gospels und Spirituals ihren Stempel auf. Die Mischung aus jazzigem Feeling und aufstampfendem Groove ließ keinen kalt! Nach Blumen und Ovationen die Zugabe“.
Zum gleichen Konzert die „Augsburger Allgemeine„: „Mit ihrem markanten Mezzo, der das große Spektrum auf wundersam kehlige Weise auslotet, kredenzte Gilmore vor ihrem publikumsträchtigen Gospel- und Spiritual-Ausklang eine kammermusikalische Sternstunde der Opernwelt … Es folgte ein unglaublich tiefschürfendes ‚Summertime‘ aus Gershwins ‚Porgy and Bess‘, wo die Opern-Gospel-Diva dann doch noch tänzerisch ihren fabelhaften Jazzpianisten Andreas Bürgel umrundete…“

Was uns das alles sagt?

Keine Ahnung.
Kritiker wollen Wegweiser sein. Aber Wegweiser stehen – wie der Lec mal wieder treffend bemerkt – auf der Stelle. Auch wenn sie an Ereignisse erinnern: die „fahle Erinnerung hat keine Kraft gegen die Lebendigkeit und Freiheit der Gegenwart“, wie sich GWF Hegel angelegentlich zu äußern pflegte.
Also: besser sich selbst ein Bild machen, wenn’s denn interessiert.