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| Querschläger: Gegrillter Wein. Pfalztagebuch 2003 |
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Der Sommer des Jahres 2003 war in der Südpfalz
einer der heißesten seit langer Zeit.
Das Thermometer war tagsüber so agil am klettern
wie weiland Johnny Weissmüller als Tarzan in schwarzweiß.
Irgendein wenig phantasiebegabter Mensch, der den
Posten des nationalen Wetterbenamers inne hatte,
taufte diesen Klimaböller "Hoch Michaela".
Wir waren mit "Michaela" in der Südpfalz unterwegs.
Persönliche Notizen von einer historischen Klimafront
mitten im Wein.
1. Tag
Die Pfalz!
Wegen der Menschen. Gegend. Wein.
Reihenfolge: natürlich immer so 'ne Sache. In der Bibel zum Beispiel musst du erst Adam, dann Eva,
dann Schlange und Apfel und dann den ganzen Kladderadatsch hintereinander weglesen.
Volle Chronologie, das bestimmte Eine ist der Grund fürs bestimmte Andere, da kannst du nicht einfach
drin herum fuhrwerken, und sagen: am Anfang soll mal nicht der Adam ..., dann funktioniert die Fortsetzung
schon rein von der Logik her nicht (natürlich immer vorausgesetzt, man hält sprechende Schlangen für logisch)
und man kann sich den ganzen Rest sparen. Konsequenzen: nicht auszudenken.
Schon rein vom Arbeitslosigkeitsaspekt her.
Jobbörse für Kleriker und alles.
Die Pfalz: einwandfrei andere Sachlage.
Hier ist die Reihenfolge Menschen - Gegend - Wein klar flexibilisiert.
Jedes der Grund für alles, alles in der Reihenfolge vertauschbar, weil: trotzdem und immer zusammenhängend
wie Elke Heidenreich und Sodbrennen.
Hier kannst du also frei weg herumtauschen, und alles gibt trotzdem Sinn.
Vielleicht weil sprechende Schlangen hier so zahlreich sind wie bärtige Indianer in einem Hollywood-Western.
Es ist nicht das erste Mal Pfalz für uns, auch das genaue Ziel ist kein weißer Fleck für meine Frau und mich.
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So dicht an Frankreich, wie die Jacob-Sisters an ihren Pudeln. Schweigen-Rechtenbach. Der Ort liegt gleich am Beginn der Weinstraße. Unter dem Deutschen Weintor. Wobei Weintor hier gleich doppelt Sinn macht. Autofahren. Ankommen. Auspacken. Einkaufen. Das Notwendigste zumindest. Eine Gegend mit Humor, wie's scheint: das Klopapier heißt "Happy End". Kleiner Spaziergang. Ortsbegehung. Nach dem Rechtenbach sehen. Keinen gefunden. Dafür um uns herum Schweigen. Netter Lehrpfad im Weinberg oberhalb des Ortes. Spätburgunder: frühreif. Schnell Abend geworden. Beim Gastgeber Kost gegangen. |
| Weinstube mit ortsüblichen Portionen. Das Amuse Geule hat klar vollwertige Gangquantität. Wer hier hungrig rausgeht - gleich zum Apotheker: Wurmmittelbedarf vorsichtige vorläufige Diagnose. Zwei Scheiben Saumagen mit Bratkartoffeln auf dem Bestellzettel. Weine aus dem Eigenbau dazu, Weingut Gerhard Beck, Schweigen. Probierten sieben aus dem Stubenangebot. Herausstechend: ein fruchtig-frischer 02 Muskateller halbtrocken. Dezente Restsüße. Von Nase bis Finish durchgehende Art. Kein Vortäuschen. Also nichts von wegen Meg Ryan-Lächeln. Du weißt: Gesichtsaerobic statt Gesichtserotik. Oder hier beim Wein: Antäuschen durch die Nase und Enttäuschen im Mund, wie sonst oft bei dieser Rebsorte. Ebenfalls gelungen: saftig-buttriger 02 Gewürztraminer Kabinett mild mit dem Rosenbeiprogramm. Sehr freundliche Leute hinter der Theke. Scheinen allen Gästen mehr zu bringen, als diese bestellen. Stadl-Pop aus dem CD-Player. Tapfer ignoriert. Mit tätiger Beihilfe des Rebensäftchens. |
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Als Betthupferl ein Fläschchen 01 Frühburgunder Auslese trocken mit auf die Wohnung genommen.
Vom Schweigener Sonnenberg.
Von dem Berg kommen hier beinahe alle Flaschen.
Schöne Burgundernase mit Erdbeerkonfitüre, Rosenblättern, Walnuss.
Mittelgewicht mit weicher, reifer Frucht. Säure hintergründig wie weiland Qualtinger.
Liefert schönes Gerüst und macht ein kleines Crescendo - damit's spannend bleibt.
Mund bestätigt Nase wie Blair den Bush.
Konzentriert. Quasi Torwart beim Elfmeter.
Trotz 14,5% nicht alkoholisch wirkend.
Aber alles hat immer zwei Seiten; nach ein paar Gläschen:
plötzlich doch alkoholisch wirkend.
Adäquater Abgang und Länge.
Adäquate Bettschwere und Entspanntheit.
Außergewöhnlich frühes Zubettgehen mit Komarek's letztem Polt-Buch.
Schnelles Ende des ersten Tags.
Knockout in der gefühlten zweiten Runde.
Schlaf knipst mich so radikal aus, wie McDonalds die Geschmacksnerven der Kids.




... klassischer Querschläger



